Schneebauer Geschwister

4 Geschwister – 4 Materialien – 4 Geschichten bilden ein Gesamtensemble in der Weststeirischen Weingegend, das sich durch den fein abgestimmten Einsatz von regionalen Materialien in Verbindung mit traditionellem Handwerk besonders behutsam in die Landschaft einbettet.

Auf einem vergleichsweise kleinen Fahnengrundstück waren unterschiedliche Funktionen gegeben, wie ein bestehendes Weinstöckel, ein halb verfallenes Wirtschaftsgebäude, eine Scheune und ein ungenutzter Weingarten. Daraus wurde mit viel Liebe zum Detail ein ressourcenschonendes Ensemble entwickelt das sich aus unterschiedlichen Errichtungszeiträumen zusammensetzt und Tradition mit Moderne harmonisch verbindet. Die alten Häuser wurden vom Speck der Zeit befreit, nachträgliche Zubauten, Dämmungen, Innenausbauten usw. wurden gänzlich entfernt und die alten Holzoberflächen wieder zu Tage gebracht. 

© cstrobl
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© Kuess Architektur ZT
© Christian Repnik
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Das Weinstöckel „Resi“ als Bestandsobjekt auf den Ursprung in allen Detailszurückgeführt, „Liese-Lotte“ vom Wirtschaftstrakt zu einem Zwei-Apartment-Haus umgebaut, „Mitzi“ in seiner traditionellen Art eines Schilcherhauses wiedererrichtet und damit auch ein männlicher Teil in der Familie ist, wurde „Hias“ als Saunahaus mit Infinity- Pool dazu gereiht. 

© Christian Repnik
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Cortenstahl
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© BarbaraZapfl

Im Gegensatz zu den alten Häusern Resi und Mitzi, wurde dazu LIESE-LOTTE offen, lichtdurchflutet und neu gestaltet, dazu abgehend von traditionellen Holzprodukten die Dachkonstruktion mit Brettsperrholzplatten konstruktiv ausgebildet und zur Unterscheidung von den ursprünglichen Bauten eine Oberfläche aus Lärchenschindeln gewählt, die nach erfolgter Vergrauung mit ihrer Patina das Volumen des Objektes optisch sanfter erscheinen lässt und damit auch den modernen Objektteil harmonisch in das Ensemble einbindet.

© Christian Repnik
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So wurden Resi, das Weinstöckl am Kamm und Mitzi das Schilcherhaus am Weinhang, diffusionsoffen errichtet, innen die Holzblockwand mit Lehmschlämme abgedichtet, mit Holzfaserdämmplatten gedämmt und mit Lehmputz verkleidet. Die alten Zwischendecken teilweise abgebürstet oder mit Trockeneis behandelt um die Oberflächen für ihre weiteren 200 Jahre aufzubereiten. Ergänzt, durch geradlinigen Cortenstahl verkleidet, das Stiegenhaus bzw. Bad und Dusche.

© Christian Repnik
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Alle Geschwister und Geschichten verbinden die, in unterschiedlicher Art und Weise, eingesetzten Materialien.

HOLZ – als tragende, mind. 200 Jahre alte, Außenwand, genauso wie als neue Holzständerwand oder in Form von Schindeln auf Dach und Wand eingesetzt ist Hauptbestandteil der Hofanlage.

STEIN – regionaler “Stainzer Gneis” besticht schon seit Jahrhunderten durch Optik, Robustheit und Beständigkeit. Hier nicht nur für Terrassen und Wege in Verwendung, sonder auch als händisch fein bearbeitete Kaminabdeckung, Küchenarbeitsplatte oder als Sichtmauerwerk.

BETON – dort wo er statische Funktion übernimmt (Keller Mitzi), Brandwände (Liese-Lotte und Hias), wird der Sichtbeton in seiner rohen und ehrlichen Materialität eingesetzt, gezeigt und kombiniert.

CORTENSTAHL – Ein Baumaterial das genauso wie Holz oder Stein seine Patina entwickelt, als weiteres verbindendes Element der 4 Häuser. Eingesetzt klar, linear, markant, aber nicht dominierend als zeitgenössische und doch zeitlose Architektursprache.

Zur Umgebung passend wurden die Fassaden auf die örtlich dominierenden Stainzer-Platten abgestimmt, die Fensterdetails ebenso wie Balken- und Türelemente unter Verwendung von vorhandenen Altelementen wiederhergestellt oder dem alten Handwerk entsprechend neu rekonstruiert. Die gewählte Vorgangsweise, die ursprünglichen Oberflächen der Objekte wieder offen zu zeigen, bringt nicht nur ein gebietstypisches Erscheinungsbild, sondern auch den Nutzern eine unglaubliche Behaglichkeit und Wohlfühlcharakter.

© Rainer Wührer
© Christian Repnik
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Lage: Hochgrail – St. Stefan ob Stainz | Auftraggeber: privat | Planungsbeginn: 2017 | Baubeginn: 2017 | Fertigstellung: 2019 | Nutzung: Privat